2018 - Kaukasus

Johannes Schubart, Günter Matuschek, Michael Fröbel, Peter Eilhauer und Rene Martin sowie Bert Kremser, Felix Matuschek und Marcel Günther (Gäste)

23. August - 03. September 2018

 

Gipfel: Elbrus (5,642 m)

Schwierigkeit: Höhentrekking

 

Auf Grund der für Individualtouristen äußerst schwierigen Einreiseformalitäten in die Russische Föderation - zur Visaerlangung ist eine persönliche Einladung für jedes zu besuchende Gebiet erforderlich - unternehmen wir die Tour zum höchsten Berg des Kaukasus´(und je nach Definition der innereurasischen Grenze auch des "Top of Europe") als durch einen professionellen Reiseanbieter organisierte Expedition. 

Reisebericht (aus meinem Tagebuch):

23. August - Kurz vor 13.00 Uhr werde ich von meinen raanzer Mitreisenden zu Hause abgeholt. Mit einem gemieteten Kleinbus erreichen wir den Rhein-Main-Flughafen in Frankfurt ohne Komplikationen, wo die anderen Bergfreunde (Bert, Johannes und Rene) die Gruppe komplettieren. Nach dem Einchecken startet unser Flug mit einem Airbus A320 der Aeroflot pünktlich 19:00 Uhr nach Moskau-Scheremetjewo. Zum Abendessen an Bord kann zwischen "Beef" und "Chicken" gewählt werden. Ich nehme das Rindfleisch, welches erst nach reichlicher Zugabe von Salz und Pfeffer so etwas wie Geschmack entwickelt. Dazu reicht die Stewardess einen Plastikbecher warmen Weißwein: ein wahres "Gourmet-Menü" am Himmel hoch über Osteuropa !

24. August - Nachdem wir uns in Scheremetjewo alle an einem ATM mit Rubeln versorgt und ein paar davon gleich wieder in ein Bier investiert haben, erreichen wir fast als Letzte den pünktlich startenden Anschlussflug (wieder mit einem Airbus A320 der Aeroflot) um 01:20 Uhr. Glücklicherweise ist das Flugzeug nicht ausgebucht, so können erfahrene Reisende jeweils eine ganze Sitzreihe in Beschlag nehmen und im Liegen ein wenig schlafen. Am Flughafen Mineralnye Wody werden wir abgeholt und durch den erwachenden Morgen nach Terskol chauffiert. Wir beziehen im Hotel "Alamat" unsere 2-Bett-Zimmer und holen als erstes ausgefallenen Schlaf nach. Gegen 10:30 ist die ganze Bande regeneriert und spaziert talabwärts ins Nachbardorf Tscheget. Hier kehren wir zum Mittagessen (Schaschlik und kaukasische Suppe) ein, anschließend flanieren wir zurück in das Charmonix des Kaukasus´. Am Abend treffen wir im Hotel unseren Bergführer Nik(olai) und vereinbaren den Aufbruch morgen auf 09:00 Uhr.

25. August - Noch in Terskol (2.200) verlassen wir die Baksanstraße und wandern - am Militär-Ehrenmal vorbei - auf der Elbrusstraße weiter. Nach gut einer Stunde verlassen wir die Fahrbahn und steigen steil hinauf zum Observatorium, dem Ziel unserer Tour auf gut 3.000 Metern Meereshöhe. Nach einer ausgiebigen Rast auf dem Plateau geht es über die Hochfläche - hier können wir den Elbrus in seiner ganzen Pracht erstmals richtig sehen - zum Devichy Kosy ("Wasserfall der Mädchenzöpfe"), wo wir wieder auf den Fahrweg Terskol-Observatorium treffen, der uns dann hinab ins Tal führt. Am Nachmittag gönnen wir den müden Gliedern etwas Ruhe; am Abend werden erstmals die Karten für einen zünftigen Doppelkopf gemischt.

26. August - Ein Kleinbus bringt uns nach Asau. Hier steigen wir in die alte Elbrus-Seilbahn um und rumpeln mit der betagten Aufstiegshilfe bis zur Mittelstation "Stary Krugosor" auf 3.000 Metern Höhe. Die Weiterfahrt zur Bergstation "Mir" muss auf Grund technischer Probleme ausfallen: mehrere Arbeiter remontieren mit riesigen Schraubenschlüsseln und Hämmern an der Seilaufhängung der Gondeln herum - sehr vertrauenserweckend kommt uns das nicht vor und das Wort vom Genossen Lokomofeilowitsch macht rasch die Runde. Wir beginnen unsere Akklimatisationstour also hier und wandern zunächst die als Fahrstrecke geplanten 500 Höhenmeter bis "Mir" und dann weiter über "Gara-baschi" bis zum ehemaligen Prijut Odinnadzati am Elbrus. Nach einer kurzen Rast, die kaum zum Kräfte sammeln reicht, geht es im Geschwindschritt wieder hinab zur Station "Mir". Die vormittäglichen Probleme der Bahn scheinen überwunden, den von hier schweben wir - erschöpft, aber auch glücklich - hinab ins Tal. In Asau erfreut ein kaukasisches Essen (und ein großes Bier) den müden Wanderer. Am Abend führt Nik einen gründlichen Bekleidungs- und Ausrüstungs-Check durch. 

27. August - Am Morgen verbreitet Nik (wieder einmal) Hektik, insbesondere bei der Auffahrt mit der neuen französischen Elbrus-Seilbahn, da außer unserem Equipment auch das Essen für den Hüttenaufenthalt auf den Berg transportiert werden muss. Mit ein klein wenig Organisation wäre das völlig einfach zu lösen !! Von der Bergstation bringt uns glücklicherweise eine Pistenbully samt unserem Gepäck zu unserer Unterkunft. Der Wunsch der Bergfreunde nach einem Séparée für die Schnarcher erfüllt sich leider nicht. Wir werden in einem 8-Mann-Container untergebracht, in dem es bald darauf wie in einer mexikanischen Würfelbude aussieht. Nach dem Mittagessen steigen wir ca. 1.000 Meter bis zu den Pastuchow-Felsen 4.700 m ü.NN auf. Insgesamt geht das bei mir besser als gestern, auch weil wir langsamer gehen. Der Abstieg durch den sulzigen Schnee lässt dann die Imprägnierung der Bergschuhe schnell schwinden. Nach dem Abendessen planen wir den Gipfeltag und bestellen einen Ratrak, der uns bis zu unserem heutigen Ziel transportieren soll. Somit sollte der Gipfel für alle machbar sein

28. August - Der heutige Tag dient der körperlichen Regeneration und geistigen Vorbereitung auf den morgigen Gipfeltag. Der gestrige Wandertag bestärkt mich darin, den Gipfel erreichen zu können, auch wenn wir mindestens doppelt so lange wie in den letzten Tagen unterwegs sein werden. Vor dem Frühstück haben wir durch Nikolai noch eine kurze Einweisung in das Gehen mit Steigeisen, Verhalten bei einem Sturz und die Benutzung eines Fixseiles (für uns schon etwas erfahrene Berggänger natürlich nur eine Auffrischung unseres Wissens). Der Bergführer ist sehr gewissenhaft, eine Kommunikation ist aber auf Grund geringer Englisch-Kenntnisse seinerseits und fast völlig fehlender Russisch-Vokabeln unsererseits nur bruchstückhaft möglich. Dann heißt es warten (willkommene Unterbrechungen sind die leckeren Mahlzeiten von Anjuschka).

29. August - Kurz vor 02:30 Uhr klingelt der Wecker, nach einem Bergsteigerfrühstück (Hafer- oder Reisbrei, undefinierbare Würstchen) fahren wir mit dem bestellten Ratrak bis zu den Pastushov-Felsen, dann müssen wir uns selber quälen und erreichen letztendlich alle außer Marcel gegen 10:30 Uhr den Gipfel. Nach den obligatorischen Fotos und einer Schweigeminute für erst unlängst tödlich abgestürzte Bergkameraden unserer russischen Guides geht es wieder nach Gara-baschi zurück; nur Micha hat noch nicht genug und besteigt auch noch den Ostgipfel. Für den Abstieg nutzen die älteren Herren der Wandergruppe (Eili, Matu und Rene) ab den Pastushov-Felsen erneut das Kettenfahrzeug, das uns ca. 700 Höhenmeter im Abstieg erspart - die Knie danken schön. Unterwegs können wir noch ein paar Bier organisieren, die dann von allen im Camp mit Freude begrüßt werden. Nach dem Anstoßen auf den Gipfelerfolg werden Bert, Felix und Marcel in den R.A.C. aufgenommen.

30. August - Mit der Seilbahn geht es am Vormittag wieder hinab ins Tal, hier erstehen wir als erstes T-Shirts und Aufnäher zur Erinnerung an unseren Besuch im Kaukasus. Nach einer mehr als erforderlichen Dusche treffen wir uns am frühen Nachmittag mit Nikolai und Anna zur Auswertung der Tour und Übergabe der Elbrus-Zertifikate: Der erste der Seven Summit konnte erfolgreich ins Tourenbuch eingetragen werden. Anschließend bummeln wir bis zum Abendessen noch ein wenig durch Tscheget, versuchen auf dem Markt einen Samagon und genießen unseren Erfolg. Nach dem käuflichen Erwerb zweier Holzpistolen duellieren sich Micha und Matu zur Freude der Einheimischen auf dem Marktplatz im Stile eines klassischen Westerns. Der Abend klingt später wodkaseelig im Hotel aus.

31. August - Auf dem Weg nach Pjatigorsk halten wir am Denkmal für Killar Chatshirow an und vervollständigen unsere individuellen Fotosammlungen. Kurz vor dem Ziel unserer gut 3-stündigen Autofahrt geraten wir in eine Verkehrskontrolle, die der einheimische Fahrer mit Gelassenheit meistert. Da sich dadurch unsere Ankunft im Hotel Intourist verspätet werden wir bereits von Tatjana, einer älteren und recht bestimmt auftretenden Stadtführerin, erwartet. In den nächsten Stunden bringt sie uns die ca. 150.000 Einwohner große, recht typische russische Stadt samt ihren mehr oder wenigen imposanten Sehenswürdigkeiten nahe (Besichtigung des kaukasischen Marktes, Duellplatz und Erinnerungsobelisk für den Dichter Lermontew, Seilbahnfahrt auf den Aussichtsberg Maschuk, alte Bäder und Trinkhallen ähnlich denen in Karlsbad, leider in deutlich unvorzeigbarerem Zustand). Nach gut 4 Stunde rebellieren wir und verlangen nach einer Einkehr in einem Glasbiergeschäft, welches wir nach kurzer Suche im Stadtzentrum finden. Nach einer ersten Erfrischung  bleiben wir bis zum Abendessen und darüber hinaus hocken ...

01. September - Erneut bringt uns ein Kleinbus von Pjatigorsk nach Mineralny Vody, von wo aus wir mit einem Standardfluggeräte der Aeroflot (Airbus A320) nach Moskau fliegen. In Scheremetjewo werden wir bereits von einem schweigsamen Russen erwartet und nach ca. 90-minütiger Fahrt im Arbat-Hotel in der Innenstadt abgeliefert. Nach einer nachmittäglichen "Blitzmütze" brechen wir zu einem ersten Ausflug ins hauptstädtische Nachtleben auf. Zum Abendessen kehren wir auf der (alten) Arpadska im "Erik the Red" ein, einer Bierkneipe mit ca. 50 (Craft-)Biersorten aus aller Herren Länder am Hahn, ein. Frisch mit einem Burger gestärkt geht es weiter zum Alexandergarten mit dem Grabmal des Unbekannten Soldaten. Der weitere Weg zum Roten Platz ist wegen eines Militärmusikfestivals abgesperrt, wir kommen aber gerade rechtzeitig zum mitternächtlichen Abschlussfeuerwerk.

02. September - Kurz nach 09:00 Uhr werden wir von unserer heutigen Stadtführerin Svetlana in einen Kleinbus verfrachtet. In den folgenden Stunden zeigt uns die ältere Dame ihre Metropole und erzählt kurzweilig Interessantes aus der Geschichte und Gegenwart der Hauptstadt der Russischen Föderation. Am Nachmittag trennen wir uns dann, einige Thüringer wollen (möglicherweise in Erinnerung an den Song "Wind of Change") zum Gorkipark, andere Einkaufen und ich zum geschichtsträchtigen Lubjankaplatz. Für das Abendessen hat Michael in der Zwischenzeit noch einen Tisch im uktainischen Restaurant "Taras Bulba" bestellt. Hier rücken wir pünktlich 20:00 Uhr zum Abschiedsabend ein und futtern uns durch die Speisekarte. Gegen Mitternacht gibt es noch "Eine letzte, letzte Runde" (Dank an die "Donots") auf der Arpadska. 

03. September - Am Vormittag wagen wir noch ein Abenteuer und fahren mit der Metro ins Zentrum. Johannes kommt dabei mit dem Ticket nicht richtig zurecht und regt sich später erheblich auf, da wir anderen das Missgeschick nicht mitbekommen und er mit Marcel (beide sprachunkundig) zurück bleiben. Aber  auch Bert hat Probleme, den Zug zu besteigen und klemmt sich Kopf und Bein in der sich rasant selbstständig schließenden Tür ein. Nur unter großen Kraftanstrengungen kann er sich wieder befreien - was daraus hätte entstehen können, malt sich besser keiner aus. Der Rote Platz kann heute betreten werden, tausende (Mit-)Touristen und der Abbau der Tribünen des Militärmusikfestivals lassen den Besuch aber nicht zum erwarteten Highlight werden. Auf dem RückWEG ins Hotel kehren wir im Hardrock-Cafe ein, nicht zum Essen, sondern um T-Shirts als Andenken oder Mitbringsel zu erstehen. Kurz darauf holt uns das Transfer-Fahrzeug ab, am Abend bringt uns die Aeroflot (wieder mit einem Airbus A320) zurück in die Heimat.

 

Großer Dank gilt meinen Begleitern - erlebnisreiche Tage mit aus meiner Sicht durchweg positiven Erinnerungen finden (leider viel zu schnell) ein Ende.

 

Literaturempfehlung:

Peter SCHNECKENLEITNER: 12 Berge - Ein Ratgeber für jedermann 
Jens JÄGER: Outdoor-Handbuch "Russland: Elbrus"

 

Länderinfo Russische Föderation

Amtssprache:        Russisch

Hauptstadt:          Moskau

Einwohner:            146,5 Mio

Fläche:                  17.102.344 qkm

Währung:              Russischer Rubel (RUB) = 100 Kopeken (€ 1 = 60 RUB)

BIP/Einwohner:     $ 9,243

 

Länderinfo Kabardino-Balkarische Republik

Amtssprache:       Kabardinisch, Balkarisch und Russisch

Hauptstadt:          Naltschik

Einwohner:            ca. 860.000

Fläche:                  12.470 qkm

Währung:              Russischer Rubel (w.o.)

BIP/Einwohner:     k.A.